Agile Methoden sind für Unternehmen in der heutigen Zeit immens wichtig geworden, um im Wettbewerb global bestehen zu können. Der Eintritt der Arbeitswelt in die Epoche der Digitalisierung hat diese Entwicklung noch weiter verschärft. Es gibt Studien, die zeigen: Ein „agiles“ Unternehmen ist in der heutigen Zeit 2,7 mal erfolgreicher als ein „starres“ Unternehmen.

Trotz ihrer immensen Bedeutung für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen, ist die Heranziehung agiler Methoden in Deutschland noch gar nicht so weit verbreitet. Ein Grund dafür: das Risiko zur großen Veränderung wird gescheut. Alte Strukturen müssen „aufgebrochen“ werden, um die neuen, innovativen agilen Ansätze zu integrieren. Es ist erst einmal einfacher – wenn auch wirtschaftlich nicht unbedingt sinnvoller oder zielführender –, am alten Muster bzw. den alt-bewährten Methoden festzuhalten.

Eins ist sicher, trotz aller Hemmnisse: die Unternehmen in Deutschland müssen sich aufgrund der veränderten Markt- und (globalen) Wettbewerbssituation zunehmend den agilen Ansätzen widmen, um weiterhin und nachhaltig erfolgreich und wettbewerbsfähig zu sein.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, warum Agilität in Deutschland bisher nicht funktioniert und wie dies in Zukunft verbessert werden kann.

 

Was zeichnet ein agiles Unternehmen aus?

Beim agilen Arbeiten werden Prozess und Strategien an die jeweilige Situation bedarfsgerecht angepasst. Es herrscht eine recht hohe Flexibilität – im Gegensatz zu einem Unternehmen mit festgelegter, „starrer“ Struktur.

Im Grundsatz muss die Denk- und Handlungsweise der Mitarbeiter erst einmal darauf geschult werden, flexibel und rasch auf sich verändernde Anforderungen einzugehen. Wer über solche Mitarbeiter verfügt, hat bereits einen klaren Wettbewerbsvorteil am Markt, da die heutige (globale) Arbeitswelt u. a. ebenjene Herausforderungen an die Unternehmen stellt. Agile Unternehmen sind in der Lage, mit unklaren Zielen aufgrund ständiger Veränderungen und neu eintretenden Anforderungen umzugehen.

Es gilt das Prinzip der unscharfen Zielbilder: Da das Ziel nicht eindeutig vor Augen liegt, wird der Fokus auf die Handlungsfähigkeit des Unternehmens gelegt. Die Richtungsbestimmung ist hierbei wesentlich wichtiger als die Zielbestimmung. Auf diese Weise fällt es agilen Unternehmen einfacher, auf Veränderungen zu reagieren.

 

Voraussetzungen, die erfolgreiches agiles Arbeiten in Unternehmen ermöglichen

1. Etablierung von flachen Hierarchien:

Von besonderer Bedeutung ist es, altgewohnte Hierarchien zu durchbrechen bzw. zu innovieren. Mitarbeiter müssen in die Lage versetzt werden, situativ, flexibel und eigenverantwortlich Entscheidungen treffen zu können. Innerhalb des Projektes werden rasche Veränderungen eintreten – die Mitarbeiter müssen dynamisch reagieren dürfen.

Zudem besteht der Zeitfaktor. Das Durchlaufen einer klassischen Befehlskette kann langsam verlaufen – zu langsam bei manch wichtigen Entscheidungen in einer schnelllebigen Geschäftswelt.

Die Konzepte agiler Vorgehensweisen erfüllen dabei sogar einen wichtigen Zweck in der Persönlichkeitsentwicklung der eigenen Mitarbeiter. Im Rahmen des agilen Arbeitens dürfen sie Verantwortung tragen, weitreichende Entscheidungen treffen sowie selbständig agieren und arbeiten.

Flache Hierarchien sind somit eine Voraussetzung, damit agiles Arbeiten in einem Unternehmen erfolgreich umgesetzt werden kann.

2. Etablierung eines Führungsstils, der auf agile Vorgehensweisen abgestimmt ist:

Agiles Führen bedeutet hierbei, dass die Mitarbeiter dazu ermutigt werden, neue Wege zu gehen und bisher gewohnte Handlungsweisen ablegen.

Eine Führungskraft muss die Mitarbeiter zudem dabei unterstützen, nach den individuellen Kundenwünschen zu handeln.

3. Vereinfachter Zugang zu Informationen

Im Rahmen agiler Konzepte sollen Mitarbeiter dynamisch auf Veränderungen reagieren können. Wichtige Ausgangsbasis hierfür ist, dass die Mitarbeiter rasch an die Informationen gelangen können, die sie für ihre Handlungen und Entscheidungen benötigen. So können beispielsweise im Vorfeld alle relevanten Daten zur Verfügung gestellt werden.

Ein individueller Informationsüberfluss hingegen sollte vermieden werden, da dies einzelne Mitarbeiter überfordern und unnötig belasten kann.

4. Auf Vielfalt in den Teams achten

Im Rahmen von agilen Konzepten kann besonders von einer Vielfalt in den Teams profitiert werden. Hierauf sollte bei der Zusammensetzung geachtet werden. Ein Team, bestehend aus Mitarbeitern mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Mindset (Stichwort: Diversity), kann bspw. besonders wirkungsvoll sein bei der Entwicklung von neuen, innovativen Methoden.

5. Förderung bzw. Sicherstellung der internen und externen Kommunikation

Eine reibungslose und wirkungsvolle Kommunikation ist in agilen Unternehmen wichtig. Intern wird z. B. mithilfe regelmäßigen Feedbacks vermieden, dass den Mitarbeitern Fehler bei der Anwendung von neuen Methoden unterlaufen. Extern ist der angemessene Dialog mit den Stakeholdern von hoher Bedeutung.

 

Über die (agile) Situation in Deutschland

Nun haben wir uns etwas näher angesehen, welche Voraussetzungen erfüllt sein sollten, damit eine agile Arbeitsweise in einem Unternehmen etabliert werden kann. Viele stellen sich nun die Frage: Wie sieht die (agile) Situation in Deutschland aus, im Jahre 2019?

Zunächst einmal, ein wichtiger Punkt, das Engagement der Mitarbeiter.

Nach einer aktuellen Studie im Rahmen des Engagement-Index sind hierzulande gerade einmal 15 Prozent der Mitarbeiter mit vollem Engagement bei der Arbeit. Mitarbeiter, die nicht mit ganzem Einsatz arbeiten, leisten jedoch weniger und lassen sich häufiger krankschreiben.

Agile Unternehmen haben den Vorteil, dass Mitarbeiter leichter gebunden werden können, da die Mitarbeiter selber eine wichtigere und wirkungsvollere Rolle durch z. B. eigenständiges Arbeiten, mehr Verantwortung und mehr Entscheidungsfreiheit innehaben.

Diese Annahme wird durch eine Studie bekräftigt, in der eruiert wurde, dass fast die Hälfte der Mitarbeiter (Konkret: 43 %) von agilen Organisationen sehr engagiert an ihre Arbeit herangehen. Bei Unternehmen mit ausgeprägten hierarchischen Strukturen ist dies dagegen nur bei 6 Prozent des Personals der Fall.

Die meisten Unternehmen sind nach wie vor prozessorientiert und damit wenig agil aufgestellt. Ein Grund dafür ist auch der teilweise verbreitete fehlende Wille zum Umbruch. Altbewährten Vorgehensweisen, die möglicherweise aktuell noch funktionieren, schenkt man gerne weiterhin sein Vertrauen; im gleichen Atemzug wird der Aufwand gescheut, alte Strukturen zu durchbrechen und Neues zu initiieren.

Lohnt es sich jetzt schon, in agile Vorgehensweisen zu investieren?

Mit Blick auf die Digitalisierung wird der Stellenwert agiler Methoden jedoch in Deutschland zukünftig weiter zunehmen. Unternehmen sind daher gut beraten, sich mit agilen Vorgehensweisen zu beschäftigen und vertraut zu machen, um in den nächsten Jahren nicht das Nachsehen im Wettbewerb zu haben, wenn agile Vorgehensweisen überall etabliert und bereits unabdingbar geworden sind.

 

Agile Methoden in der Praxis

Es stellt sich die Frage:

Wie stehen Führungskräfte zu einer Implementierung agiler Methoden?

Eine aktuelle Studie, in der rund 300 Führungskräfte unterschiedlichster Branchen befragt wurden, offenbarte: Eine Implementierung innovativer Methoden und Prozesse wird in deutschen Unternehmen definitiv angestrebt.

Gleichzeitig kam der Druck, der auf den Führungskräften lastet, zum Vorschein: Aufgrund der Globalisierung und dem schnellen technischen Fortschritt gaben 60 Prozent der befragten Führungskräfte an, dass sie heute schneller Entscheidungen treffen müssen als noch vor wenigen Jahren. Fast jede zweite Führungskraft war der Meinung, dass auch die Anzahl an Entscheidungen zugenommen hat. Sieben von zehn Befragten behaupteten, dass sie ihr Unternehmen jetzt schon als durchschnittlich agil ansehen. Schaut man sich die realen Begebenheiten genau an, passen diese Aussagen nicht wirklich. In jedem vierten Unternehmen sind nach wie vor hierarchische Strukturen zu finden. Außerdem treffen viele Führungskräfte Entscheidungen anhand von bisherigen Erfahrungen und weniger nach Daten und modernen Verfahren.

Allerdings setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass die bisherigen Entscheidungsverfahren durch den technischen Fortschritt und die globale Vernetzung zukünftig so nicht mehr funktionieren können.

63 Prozent der befragten Führungskräfte geben an, mithilfe von agilen Methoden besser auf individuelle Kundenbedürfnisse reagieren zu können.

Knapp 50 Prozent aller befragten Unternehmen wollen dadurch wettbewerbsfähig bleiben und 48 Prozent streben eine höhere Innovationskraft an. Diese Aussagen widersprechen sich jedoch mit den angegebenen Methoden der Entscheidungsfindung.

Zudem werden agile Methoden wie Scrum oder Kanban nicht verbreitet eingesetzt, was ein weiterer Indikator dafür ist, warum Agilität in Deutschland bisher nicht oder nur unzureichend funktioniert.

Auch bei der Verwendung von innovativen Technologien gibt es großen Nachholbedarf. Immerhin 54 Prozent der befragten Unternehmen nutzen klassische ERP-Systeme. Dagegen kommen Big-Data-Lösungen, Künstliche Intelligenz oder Collaboration Tools seltener zum Einsatz.

→ Immerhin erkennt die große Mehrheit der Führungskräfte, dass die Mitarbeiter dazu ermutigt werden sollen, selbstständig und eigenverantwortlich zu handeln.

 

Fazit: Großer Verbesserungsbedarf bei agilen Methoden

Die oben beschriebene Studie zeigt ganz gut auf, welche Verbesserungen zukünftig in deutschen Unternehmen gemacht werden müssen, um die von vielen Managern angestrebte Agilität richtig umsetzen zu können.

In erster Linie müssen Mitarbeiter dazu motiviert werden, auch ohne die Anweisungen von Vorgesetzten Entscheidungen flexibel treffen zu können. Dies funktioniert aber nur mit kürzeren Entscheidungswegen, flachen Hierarchien und einem Führungsstil, der sich näher am Markt und an den Kunden orientiert.

Bisher arbeiten nur knapp 15 Prozent aller Unternehmen in Deutschland komplett agil, während ein Großteil immerhin schon eine Mischform aus alter Führung und agilen Methoden implementiert hat.

Klar ist aber auch, dass Agilität nicht in allen Branchen gleichermaßen funktioniert. So macht die Umsetzung in IT-Branchen mehr Sinn als im handwerklichen Bereich. Für die meisten Unternehmen wird aber langfristig ein Wandel hin zu agilem Arbeiten unentbehrlich sein, wenn sie national und international konkurrenzfähig bleiben wollen.

 

Literaturverzeichnis: