Wir stecken noch am Anfang einer Krise, wie wir sie in diesem Ausmaß und mit den absehbaren und unabsehbaren Folgen noch nie erlebt haben. Krisen-sicher geglaubte Geschäftsmodelle brechen in sich zusammen. Unternehmen stehen still. Die Existenz von Millionen Kleinunternehmern weltweit ist bedroht. Doch statt zu resignieren und nur auf staatliche Hilfen zu bauen, sind jetzt Resilienz und Ideenreichtum gefragt, um die Krise zu überstehen und nachhaltige Geschäftsmodelle aufzubauen. Der vorliegende Beitrag möchte Sie motivieren, an ihre eigene Kraft und die Kraft der Erneuerung zu glauben und zeigt Möglichkeiten auf, wie Sie jetzt zu neuen Ideen finden.

“The greatest danger in times of turbulence is not the turbulence. It’s to act with yesterday’s logic.” Peter Drucker

In einer Zeit, in der Agilität immer noch als eine Art „Turnschuh-Programmierung 4.0“ fehlinterpretiert wird, Disruption als ein Ereignis betrachtet, das „irgendetwas mit Apple zu tun hat“, und Pandemie schon als Gefahr aufgefasst wird – aber selbstverständlich nur in anderen Ländern -, wird dem Menschen als Privatperson und als Unternehmer plötzlich und unerwartet (liegt Deutschland nun doch in der „Pan-Zone“ der Pandemie?!?) der Boden unter den Füßen weggerissen. Nichts, was sicher schien, ist es noch. Betroffen sind nicht mehr nur die anderen, wenn die realen Folgen wie das Schließen von Geschäften, Verlagerung der Arbeit vom Firmen-Arbeitsplatz ins Homeoffice – zumindest in den Bereichen, in denen es möglich ist -, Kurzarbeit oder Entlassung, das Wegbrechen von Aufträgen bis hin zur Zahlungsunfähigkeit nun einem selber real droht oder trifft. Von den mit der Pandemie verbundenen Gefahren für das eigene Wohl und das der Familie, der Freunde, Nachbarn und Kollegen ganz zu schweigen. Mit einem Mal ist nichts mehr, wie es war und wie es so sicher schien.

Und wenn man den Zukunftsforschern glauben kann (wenn es nicht schon der eigene Menschenverstand sagt), dann wird auch nach überstandener Krise nichts mehr so sein, wie es vorher war. Die Situation wird die Wirtschaft ändern und die Menschen. Hoffentlich zu einem besseren. Aber sicher ist das keineswegs.

Geben wir es zu: waren wir nicht viel zu lange viel zu sicher, dass es immer so weitergehen würde? Und zu bequem, etwas zu ändern? Haben wir nicht zu viel Wert auf Besitzstandswahrung gelegt, statt mehr Energien in Weiterentwicklung zu investieren? Wussten wir nicht, dass Digitalisierung unumgänglich ist? Warum hinken wir dann hinterher – natürlich nicht alle, aber doch noch viel zu viele Unternehmen und Einrichtungen? Wie ist es sonst zu erklären, dass Schulen und Universitäten mit einem Mal still stehen – geschlossen und unerreichbar? Schüler und Studenten sitzen zuhause und warten auf Informationen, wie es mit den Prüfungen weitergeht, die gerade bevorstanden. Nur wenige Lehrkräfte an Schulen und Universitäten sind überhaupt in der Lage, neue Formen des Lernens, wie sie jetzt und hier geboten wären, anzubieten. Die Technik, die Infrastruktur, Hardware und Software, ja, sogar die Methoden gibt es nicht erst seit heute. Sie werden nur nicht verwendet. Wozu, wenn es auch nach herkömmlichem Muster geht? Gleiches trifft in hohem Maß auf die Wirtschaft zu. Das lässt sich an den Unternehmen ablesen, die nicht in der Lage sind, Prozesse auf remote work oder Homeoffice umzustellen, oder nicht das Vertrauen besitzen es zu tun. Natürlich soll aber an dieser Stelle auch nicht verschwiegen werden, dass nicht alle Prozesse umgestellt werden können. In der Produktion und in der Logistik sind es vielfach noch Menschen, die ihre Tätigkeiten manuell oder mit der Hilfe von Maschinen verrichten. Ebenso sind es immer noch Menschen, die in den Supermärkten Regale einräumen und an den Kassen sitzen. Und nicht zuletzt werden Kranke von Menschen gepflegt und behandelt, trotz aller Unterstützung von Maschinen. Und das ist auch gut so.

Aber dennoch ändert sich etwas hier und dort. Stationäre Händler stellen auf Online-Handel um. Taxi-Unternehmen befördern Einkäufe zu den Risikogruppen, damit diese das Haus nicht verlassen müssen. Textilhersteller fertigen die dringend benötigten Atemschutzmasken an, die Autoindustrie und Staubsaugerhersteller versuchen sich an der Herstellung von Beatmungsgeräten. Trump droht mit dem Defense Production Act, um GM und Ford zur Produktion von Beatmungsgeräten zu zwingen.

Notgedrungen werden Unternehmen freiwillig oder gezwungenermaßen innovativ, um in der Krise zu helfen oder sich in der Krise neu zu positionieren. Um das Zitat Druckers aufzugreifen: man handelt nach einer neuen Logik. Die zentralen Fragen: was wird jetzt wirklich gebraucht? Was wird gebraucht, wenn die Krise endlich vorüber ist? Natürlich kann nun nicht jeder Unternehmer auf die Produktion von Atemschutzmasken oder Beatmungsgeräten umsteigen. Betrachten wir allerdings den von der Bundesregierung und verschiedenen sozialen Initiativen ins Leben gerufenen Hackathon „wirvsvirus“, dann fällt auf, welche unglaubliche kreative Energie eine Krise freisetzen kann. Sicher hat nicht jede eingereichte Idee das Potenzial, verfolgt zu werden. Es sind aber doch sehr viele gute Ideen gedacht und teilweise nach Möglichkeit umgesetzt worden. Ideen, an die man ohne Krise nicht gedacht hätte, obwohl ihre Intentionen ohne Krise oder weit über die Krise hinaus positiven Nutzen generieren würden. Ideen, für die vielleicht einfach noch nicht die Zeit gekommen war oder die Bereitschaft, sie überhaupt ernst zu nehmen, weil ihr Nutzen nicht erkannt worden wäre.

So wurden kreative Energien freigesetzt, um Neues zu schaffen – oder sich selbst neu zu erfinden. Das ist kein einfacher Vorgang, denn etwas Neues zu finden heißt unter Umständen auch, etwas Altes zu verlieren oder aufzugeben. Den positiven Umgang mit derartigen Änderungen nennt man Resilienz. Resiliente Menschen lösen Probleme, statt sich ihnen zu ergeben. Resiliente Menschen überleben die Krise nicht nur, sondern gehen gestärkt aus ihr hervor. Sie wandeln die negative Energie des Kontrollverlust um in die positive Energie der Kreativität, die Herausforderungen akzeptiert und Lösungen schafft. Warum nicht also auch resiliente Unternehmen? Wenn das alte Geschäftsmodell in der Krise oder in einer veränderten Gesellschaft nach der Krise nicht mehr passt, dann suchen Sie ein neues.

Tatsächlich ist der Mensch viel anpassungsfähiger, als ihm bewusst ist. Sonst wäre es gar nicht erst zur Entwicklung des Homo Sapiens gekommen. Was für die Biologie gilt, kann sich der Mensch auch im Lebensumfeld und in der Wirtschaft zu eigen machen – und dazu noch viel leichter und schneller.

Aber wie sind die Ideen zu finden? Nicht jeder ist ein Universalgenie wie Leonardo da Vinci oder ein Vordenker wie Steve Jobs. Aber deshalb muss man nicht gleich aufgeben. Hatten Sie nicht immer schon Ideen, etwas anderes oder etwas anders machen zu wollen? Wie viele Ideen liegen bereits in Ihrer Schublade, und sei es in Ihrer Gedächtnis-Schublade? Oder Sie forschen nach neuen Ideen. Wenn es um Ihr Geschäftsmodell geht, stellen Sie Ihre Kunden, Klienten oder Auftraggeber in den Vordergrund Ihrer Überlegungen. Fragen Sie sich, was brauchen diese jetzt. Was werden Sie nach der Krise brauchen? Sie möchten Leistungen für das Gemeinwesen bieten? Dann fokussieren Sie auf Ihre Mitmenschen. Die Ausrede, keine Zeit zu haben, gilt nicht mehr. Wenn wir jetzt nichts unternehmen, um uns weiterzuentwickeln, wann dann? Wenn Sie Sorge haben, dass Ihnen allein nichts einfällt, veranstalten Sie Ihren eigenen Hackathon mit Mitarbeitern, Gleichgesinnten, Freunden und Familie. Bilden Sie Ihren eigenen „Schwarm“, um dessen kollektive Intelligenz zu nutzen. Oder nehmen Sie an den öffentlichen Hackathons teil, die immer noch stattfinden. Vielleicht haben Sie bereits eine Lösung parat, die andere gerade suchen. Für die eigene Ideenfindung machen Sie sich die Technik des Design Thinking, Design Sprint oder des Creative Problem Solving zunutze. Sie kennen diese Kreativitätstechniken nicht? Kein Problem: nutzen Sie Ihre favorisierte Suchmaschine. Gleich auf der ersten Ergebnisseite werden Sie Informationen und Anleitungen, sogar Webinare, finden. Die Umsetzung lässt sich mit den z. T. sogar kostenlosen Online-Tools auch gut remote durchführen. Wenn Ihre Idee Gestalt angenommen hat, testen Sie sie aus. Im „Trockenen“ durch Gespräche mit der Zielgruppe (das Telefon erlebt derzeit eine Renaissance), oder sie gehen mit Ihren Gesprächspartnern ein Mockup durch. Bauen Sie einen Prototypen und entwickeln Sie ihn auf Basis des Feedbacks iterativ weiter. Tun Sie, was auch immer in Ihren Möglichkeiten liegt – und lernen Sie bisher unbekannte Möglichkeiten kennen. Wenn andere Geschäftstätigkeiten ruhen, haben Sie jetzt die Zeit dafür.

Stecken Sie also nicht den Kopf in den Sand und bauen ausschließlich auf die zugesagten staatlichen Hilfen. Suchen Sie Ihren eigenen Weg aus der Krise, um nachhaltig gestärkt daraus hervorzugehen. Reißen Sie andere mit, bündeln Sie Energien. Werden Sie resilient. Mit der Erfahrung sind Sie auch für die nächste Krise besser gewappnet. Und die wird kommen.

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