Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, in der die Entwicklung von Software stetig komplexer wird und die Projekte dabei erheblichen Risikofaktoren unterliegen. Für eine Reduzierung von Projektrisiken ist es sinnvoll, bereits vor dem Projektstart eine ausgefeilte Produktvision zu erarbeiten.

Diese verleiht einem (Projekt-)Team nicht nur zusätzliche, greifbare Motivation, sondern leistet einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg eines (Software-)Projektes. Methodisches Vorgehen und vorliegendes Know-how sind bei der Erstellung und Anwendung einer Produktvision jedoch (erfolgs-)entscheidend. Im Folgenden soll ein zügiger Einblick darin gegeben werden, welche Aspekte bei der Erstellung einer Produktvision grundsätzlich von besonderem Wert sind.

 

Wer erstellt die Produktvision?

Die Erstellung einer Produktvision erfolgt normalerweise in der Zusammenarbeit von Product Owner, einigen ausgewählten Mitarbeitern und Interessensvertretern. Bei der sorgfältigen Auswahl der Teammitglieder für die Erstellung der Produktvision sollten bereits die erfolgskritischen Informationen mitberücksichtigt werden, falls verfügbar.  Ein strategischer Partner kann Ihnen zudem dabei helfen, den Prozess der Erstellung so effizient und effektiv wie nur möglich zu gestalten.

Praxisbeispiel für den erfolgskritischen Faktor „Wartbarkeit eines Produkts“:

So kann sich beispielsweise in der Praxis folgende Frage stellen:

Ist eine tadellose Wartbarkeit des Produkts als erfolgskritisch anzusehen?

Wenn ja, sollte idealerweise ein Mitarbeiter aus dem Service-Bereich mit in das Team integriert werden. Es ist wichtig, das für das Produkt und dessen Vision notwendige Know-how aus den verschiedenen Abteilungen einzuziehen.

Werden mehrere Mitarbeiter in die Erstellung der Produktvision involviert, kann das Know-how der verschiedenen Beteiligten gebündelt werden, um ein besseres Ergebnis zu erzielen.

Denken Sie daran: Eine Produktvision sollte nicht nur fachlich korrekt sein, sondern die Mitarbeiter auch auf emotionaler Ebene berühren! Damit die Mitarbeiter sich idealerweise mit dem Ziel der Vision und dem gesamten Vorhaben identifizieren können. Der Product Owner sollte bei der Erstellung der Vision die führende Leitfigur darstellen.

 

Nutzung eines Product Vision Boards

Anhand eines Product Vision Boards kann die Vision eines Produkts anschaulich und übersichtlich dargestellt werden; dieses Instrument wurde von Roman Pichler entwickelt.

Ist ein Product Vision Board erstellt, lässt sich mit nur einem kurzen Blick darauf erkennen, welches die wichtigsten Aspekte einer Vision sind.

Die auszufüllenden Register in einem Product Vision Board sind für gewöhnlich:

  • Zielgruppe,
  • Bedürfnisse der potenziellen bzw. zukünftigen Kunden und Anwender
  • Produkt
  • Wirtschaftlichkeit

Zusätzlich wird ganz oben auf dem Product Vision Board die Vision nochmals in einem kurzen Satz erläutert, das sog. „Vision Statement“. Das Product Vision Board wird idealerweise für alle Projektbeteiligten täglich sichtbar im Büro des Geschehens befestigt.

Ermittlung der für das Product Vision Board notwendigen Informationen

Folgende Leitfragen können Ihnen dabei weiterhelfen:

Zielgruppe:

  • Welcher Markt soll mit dem Produkt bedient werden?
  • Für welchen Kunden- und Anwenderkreis wird das Produkt entwickelt?

Bedürfnisse:

  • Das Produkt soll dem Kunden- und Anwenderkreis Mehrwert bieten. Aber welchen genau?
  • Welche Bedürfnisse und Emotionen der Kunden bzw. Anwender werden bedient?

Produkt:

  • Welche Leistungsmerkmale bzw. Produktfunktionalitäten sind „erfolgskritisch“? (Reduzieren auf drei bis fünf Merkmale)
  • Aussehen des Produkts
  • Welche Technologien finden Anwendung?

Wirtschaftlichkeit:

  • Worin liegt der Nutzen für das Unternehmen, dieses Produkt zu entwickeln?
  • Über welche Kanäle läuft der Vertrieb und woher werden die Einnahmen kommen?
  • Welcher Verkaufspreis wird für das Produkt angesetzt?

Wenn Sie alle diese stichpunktartigen Fragen abarbeiten, haben Sie zudem eine gute Grundlage für die Erstellung Ihres Product Backlogs gelegt. Im Rahmen der Ermittlung dieser für das Product Vision Board notwendigen Informationen steht der Abteilung im Idealfall ein erfahrener Experte zur Seite, mit dessen Hilfe in gemeinsamer Zusammenarbeit all diese Fragen geklärt und ausformuliert werden können.

Warum eine Vision Box eine gute Alternative sein kann

Eine etwas noch kreativere Variante als ein Product Vision Board stellt die sog. „Vision Box“ dar.

Bei dem Ansatz der „Vision Box“ wird von den Projektbeteiligten gemeinsam ein Entwurf für die zukünftige Verpackung gebastelt. Der Sinn? Auch aus dieser Variante lassen sich letztlich alle Informationen kurz und prägnant zur Vision einsehen.

Die Vorderseite der Vision Box sollte aufweisen:

  • Name und ein Bild des zu entwickelnden Produkts,
  • sowie drei wichtige Kriterien für einen Kaufgrund.

Die Rückseite der Vision Box enthält:

  • Nähere Informationen zum Produkt (z. B. An welche Zielgruppe sich das Produkt richtet oder welchen Mehrwert dieses Produkt der Zielgruppe bringt).

Ein attraktiver Vorteil der Vision Box ist es, dass man die fertig gebastelte Verpackung des zukünftigen Produkts in den Händen halten kann; die wichtigsten Informationen werden damit visualisiert, man kann quasi damit „spielen“. Dies bringt eine gewisse Leichtigkeit in die Produktentwicklung und motiviert die Mitarbeiter natürlich noch mehr, sich der Entwicklung des Produktes zu widmen; es kann also einen motivierenden Reiz auf die Teammitglieder entfalten.

Fazit

Für die Erstellung einer Produktvision können unterschiedliche Methoden aus Theorie und Praxis herangezogen werden. Mit vorliegender Praxiserfahrung kann es gelingen, die Produktvision bestmöglich, individuell passend und kosteneffizient für jeden Anwendungsfall zu gestalten. Die Hinzunahme eines Beraters ist deshalb in diesem Kontext von besonderem Stellenwert.

Wir von Remote Native unterstützen Sie mit Beratung und Workshops gerne mit unserer langjährigen Erfahrung bei der Erstellung Ihrer individuellen Produktvision und Etablierung einer internen Wissensbasis; damit Ihre Mitarbeiter nachhaltig versiert im Kontext von Produktvisionen werden und Sie sich mit korrekten Produktvisionen eine solide Grundlage für Ihre Projekte schaffen.