Haben Sie schon einmal überlegt, sich online zu einem Kaffee oder Gesellschaftsspiel zu verabreden? Das klingt irgendwie absurd. Aber unter den gegebenen Umständen ist das eine wirkliche Alternative, um weiterhin soziale Kontakte aufrecht zu erhalten und etwas gegen mögliche Einsamkeit zu tun. Die Idee wäre mir vor zwei Wochen noch nicht in den Kopf gekommen, aber wie man so schön sagt: „Not macht erfinderisch“. In der aktuellen Lage ist es mehr denn je wichtig, persönliche Kontakte zu meiden. Aus diesem Grund haben wir uns mit der Frage befasst, welche neuen Wege man gehen kann, um weiterhin Kontakte aufrecht zu erhalten und nicht zu vereinsamen.

„Der vernünftige Mensch paßt sich der Welt an; der unvernünftige besteht auf dem Versuch, die Welt sich anzupassen. Deshalb hängt aller Fortschritt von unvernünftigen Menschen ab.“ George Bernard Shaw

Social Distancing und Ausgangsbeschränkungen

In ihrer Ansprache zur Nation betont unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel, wie wichtig es für die Bewältigung der Corona-Krise ist, dass die Bevölkerung jetzt zu Hause bleibt und soziale Kontakte in Person so weit wie möglich vermieden werden. Nur so haben wir eine realistische Chance, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen und unserem Gesundheitssystem die Zeit zu geben, die es braucht, um den pflegebedürftigen Fällen die notwendige Aufmerksamkeit und Hilfe zukommen zu lassen und nicht wie in Italien unter der Last der Menge zusammenzubrechen. Hier betont sie eingehend, dass unser öffentliches Leben und vor allem das soziale Miteinander hart auf die Probe gestellt werden. Vielen von uns werden die sozialen Begegnungen fehlen, die sonst so selbstverständlich und notwendig für uns waren.

Trotz der eindringlichen Worte haben noch zu viele Menschen den Ernst der Lage nicht verstanden. So hat man sich weiterhin unberührt oder zumindest gedankenlos getroffen, ist in Restaurants und in den Biergarten gegangen. In der Superlative wurden Corona Partys veranstaltet. Oliver Pocher hat es schön auf den Punkt gebracht: „Wir haben in Deutschland zu viele dumme Menschen“.

Aus diesem Grund wurden bereits in einigen Bundesländern die Sicherheitsmaßnahmen verschärft und erste Ausgangsbeschränkungen beschlossen. Vorreiter sind Bayern, Saarland und Baden-Würtenberg. Es ist abzusehen, dass dies bundesweit ausgeweitet wird, wenn nötig mit weiteren Verschärfungen. D. h. es werden für eine noch unbestimmbare Zeit immer mehr Menschen zu Hause bleiben. Ein Großteil von ihnen allein.

Aber wir sind ja gar nicht wirklich allein!

Wie viele andere auch in Deutschland, lebe ich seit vielen Jahren allein. Laut dem statistischen Bundesamt sind 41,9 % der insgesamt 41,37 Millionen Haushalte Einzelpersonenhaushalte.

Für mich ist es als selbständiger Unternehmer dazu völlig normal, einen Großteil der Zeit im Home-Office zu verbringen. Aber darüber hinaus bin ich viel und gerne unter Menschen, regelmäßig auf Reisen und abends und vor allem am Wochenende mit Familie und Freunden verabredet.

Seit letztem Freitag bin ich nun komplett zu Hause und habe bis auf der Straße auf dem Weg zum Einkaufen oder im Supermarkt eigentlich niemanden mehr getroffen. Irgendwie komisch! Trotzdem habe ich mich in der Zeit regelmäßig mit Familie, Freunden und Bekannten ausgetauscht und mich überhaupt nicht allein gefühlt. Neben klassischen Kommunikationsmitteln wie dem Telefon oder E-Mail haben uns die Digitalisierung und vor allem das Internet viele neue Möglichkeiten beschert, um uns mit unserem Umfeld auszutauschen und virtuell zu verabreden. Dazu bieten sich folgende Kommunikationsmittel besonders an:

  1. Soziale Medien
  2. Messenger Dienste
  3. Videokonferenzen, beispielsweise mit Google Hangouts oder Skype

Wer nicht einsam sein möchte, der muss kreativ sein und umdenken.

Diese Woche bin ich spontan einer Einladung zu Remote Drinks auf LinkedIn gefolgt. Das war tatsächlich richtig lustig. Probieren Sie das doch auch einmal aus und verabreden sich mit Familie, Freunden oder Geschäftspartnern nicht nur einfach zum verbalen Austausch. Das Einzige, was Sie dazu brauchen, ist eine Videokonferenz-Software, wie z.B. die kostenlosen Angebote Google Hangouts oder Skype.

Kombinieren Sie das doch einmal mit einem leckeren Kaffee, Mittag- oder Abendessen. Aber auch andere Dinge können geteilt oder ausgetauscht werden, wie zum Beispiel Leseempfehlungen oder Kochtipps, oder man trinkt gemeinsam ein Glas Wein und ratscht. Alles, was man halt sonst auch macht, wenn man sich persönlich trifft.

Ein weiterer Ansatz gemeinsam Dinge zu erleben ist es, online mit mehreren Personen Gesellschaftsspiele zu spielen. Dies kombiniert mit einem Video-Chat kann richtig lustig werden. Dazu findet man im Internet diverse Angebote für Spiele wie z.B. Schach, Backgammon, Mensch ärgere dich nicht, Monopoly und viele andere bekannte Titel.

Hier noch ein paar Tipps für den Remote Alltag:

  • Machen Sie regelmäßig Videokonferenzen über Telefon oder den Computer
  • Verabreden Sie sich gezielt mit Freunden zum Ratschen oder Spielen online
  • Halten Sie Ihr gewohntes Morgenritual aufrecht, wie zum Beispiel einen leckeren Kaffee nach dem Aufstehen, Zeitung lesen und Frühstücken
  • Sich nicht gehen lassen, regelmäßig die Wohnung aufräumen und sich wie sonst auch etwas Ordentliches anziehen
  • Lecker kochen und sich gesund ernähren (der Gang zum Supermarkt ist jederzeit erlaubt!)
  • Sich regelmäßig bewegen, an die frische Luft Spazieren gehen und wer kann und mag zu Hause Sport (z.B. Ausdauer, Kraft, Yoga, etc.) machen

Wahrlich ist die aktuelle Situation für uns alle eine Härteprobe. Die Pandemie bedroht unsere Existenz und schränkt unser Leben maßgeblich ein. Was jetzt wirklich zählt ist, dass wir verantwortungsvoll mit unserem und dem Leben anderer umgehen. Dass wir uns an Vorgaben wie die Ausgangsbeschränkung halten. Aber vor allem, dass wir zusammenhalten, die älteren Menschen schützen und wenn möglich unterstützen, indem wir beispielsweise für sie einkaufen gehen. Jeder kann in seinem Umfeld darauf achten, ob sich jemand allein fühlt oder sonstige Hilfe benötigt. Wenn es darum geht, soziale Kontakte und das eigene Kommunikationsverhalten an die Gegebenheiten anzupassen, stehen uns Dank der Digitalisierung viele Möglichkeiten zur Verfügung. Hier gilt wie sonst auch: der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

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