Mit einem Großteil der Erwerbstätigen im Home-Office und der Schließung von Kindergärten, Schulen und Universitäten nehmen die Nutzung und die gleichzeitigen Zugriffe auf Onlineangebote für die Bewerkstelligung von Home-Office Aufgaben und zu Unterhaltungszwecken wie Videostreaming oder Computerspiele stark zu. Ist unsere landesweite IT-Netzinfrastruktur für diese Massennutzung überhaupt vorbereitet? Wie gut ist der Netzausbau in den letzten Jahren vorangeschritten? Mit diesen Themen setzen wir uns im folgenden Artikel auseinander und versuchen, Lösungsansätze zu skizzieren mit dem Ziel, dass wir unsere Arbeit weiterhin erledigen und den Betrieb aufrechterhalten können.

Mit dem Aufruf der Öffentlichkeit zum „Social-Distancing“ halten sich mehr Menschen für einen längeren Zeitraum mit deutlich höherer Konzentration im selben räumlichen Umfeld auf. Stellen wir uns hier eine Wohnsiedlung oder ein Hochhaus vor, in dem jeder Haushalt mindestens ein WLAN betreibt und durchschnittlich zwei Internet-Nutzer jeweils einen PC oder Laptop und ein Mobiltelefon besitzen. Wir vergessen an der Stelle, dass laut Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) eigentlich Privates und Geschäftliches getrennt werden müsste, was wiederum die Anzahl der Geräte erhöhen würde. Und jetzt wollen alle gleichzeitig online gehen und im schlimmsten Fall auf dieselben Dienste zugreifen. Als noch alles normal war, d. h. Erwachsene und Kinder tagsüber in der Arbeit, in der Schule oder im Kindergarten waren, wurde die Nutzung über den Tag viel besser verteilt und so aktuelle Störungen vermieden.

Bereits Anfang der Woche kam es über den Tag verteilt wiederkehrend zu Unterbrechungen der Internetverbindung. So hatte zum Beispiel der Dienst von Microsoft Teams starke Verbindungsprobleme, was Teambesprechungen zum Teil unmöglich machte. Aber auch bei anderen Anbietern zeigten sich erste Probleme. 

Während ich diesen Artikel heute Vormittag schreibe, kann ich mich überhaupt nicht mit dem Internet verbinden. Woran es lag konnte ich nicht direkt ausmachen. Ein Neustart meines Rechners und meines Telekom DSL-Routers haben dann geholfen.

Ist unsere landesweite IT-Netzinfrastruktur für diese Massennutzung vorbereitet?

Die Bevölkerung von Deutschland ist im Januar 2020 knapp 83,1 Millionen stark. Davon sind 68,68 Millionen über 16 Jahre alt und 44,98 Millionen erwerbstätig. So berichtet es das Statistische Bundesamt. Laut der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (agof) gibt es 60,04 Millionen Nutzer stationärer und mobiler Angebote. 

Selbst wenn der aktuelle Andrang von den großen Netzen verkraftet wird, kann er im Kleinen zu Problemen führen, wenn wie zuvor skizziert viele Nachbarn gleichzeitig zu Hause online arbeiten, Videos streamen und online spielen. So werden die zur Verfügung stehenden Kapazitäten am nächstgelegenen Netzverteiler knapp und der durchschnittliche Datendurchsatz an den Internetanschlüssen geht zurück.

Ein aktuelle Leserumfrage vom Spiegel beschäftigt sich mit dem Thema, ob Videokonferenzen bald nicht mehr funktionieren. Hier wird berichtet, dass der Internetknoten DE-CIX in Frankfurt, über den ein großer Teil des deutschen Datenverkehrs läuft, am 10. März einen neuen Weltrekord mit einem Wert von 9,1 Terabit pro Sekunde registrierte. Weiterhin wird berichtet, dass dies nicht nur durch Heimarbeiter verursacht wurde, sondern auch durch Gamer.

Eine Schweizer Tageszeitung berichtete bereits vor Tagen, das man überlegt, im Notfall sogar Netflix abzuschalten

Wie gut ist der Netzausbau in den letzten Jahren vorangeschritten?

Die Fokusgruppe der Bitkom für „Digitale Netze“ schreibt: “Leistungsfähige und möglichst flächendeckend verfügbare Gigabitnetze sind die Basis für eine erfolgreiche Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland.”

Tatsache ist, dass Deutschland im Vergleich mit anderen Industrienationen beim schnellen Internet und beim Ausbau der Mobilfunknetze auf einem der hinteren Plätze liegt. Nicht umsonst wird der Bundesregierung bereits seit Jahren vorgeworfen, Ihre Ziele zu verfehlen. Trotz ambitionierter Vorhaben, schnelles Internet flächendeckend zu ermöglichen und 5G-Frequenzen zu nutzen, sind die Lücken im Netz noch gravierend. Ein Grund hierfür ist, dass noch immer Kupfer- statt Glasfaser auf der letzten Meile verwendet wird.

Verzögerungen im Ausbau werden durch eine hohe Komplexität der Antragsverfahren für Fördergelder und langwierige Genehmigungsverfahren verursacht. Wer mehr zu dem Thema erfahren möchte, kann das Ergebnisdokument der Fokusgruppe „Digitale Netze“ Mehr Tempo beim Netzausbau lesen.

Arbeiten im Ad Hoc Home-Office 

Für viele Unternehmen ist schon der plötzliche Umstieg auf Remote
Work und das Home-Office eine große Veränderung. 

Laut einer aktuellen Umfrage des Online-Statistik-Portals Statista denken 45,3 Prozent der befragten Angestellten, dass ihr Arbeitgeber technisch dazu in der Lage sei, ihnen die Arbeit von zuhause zu ermöglichen. Aber 45,7 Prozent der Befragten sehen ihren Arbeitgeber noch nicht dazu bereit. 

Fehlende oder mangelhafte technische Ausstattung im Home-Office und dem Firmennetzwerk sowie die unterschiedlichen IT- und Softwarekenntnisse der Mitarbeiter stellen für Unternehmen eine weitere große Herausforderung dar. Wenn jetzt auch plötzlich ein Großteil der Internet-Nutzer gleichzeitig online geht, sind Verbindungsprobleme im privaten, öffentlichen und Firmennetzwerk nicht auszuschließen. 

Alles in allem betrachtet stellt sich uns nun die Frage, was tun, wenn zum Beispiel die Internetverbindung und das Firmennetzwerk bzw. das VPN überlastet ist? Wie kann ich dann weiter meine Arbeit erledigen?

Was tun, wenn das Netz abbricht?

Dazu haben wir uns Gedanken gemacht, wie man mit solch einer Situation umgehen und letztendlich die Zusammenarbeit mit den Kollegen und den eigentlichen Betrieb aufrechterhalten kann. 

Ursachen für Verbindungsproblemen

Tatsächlich kann es für Verbindungsprobleme sehr viele unterschiedlichen Ursachen geben. Hier werden sich in diesen Tagen viele Menschen die folgenden Fragen stellen: 

  • Liegt es an meinem Gerät?
  • Liegt es an meinem Heim-Netzwerk (WLAN etc.)?
  • Liegt es am Netzwerk meines Arbeitgebers?
  • Liegt es an meinem Internet- oder Telefonanschluss?
  • Liegt es am Anbieter des gewünschten Onlineangebots?
  • Oder gibt es irgendwo dazwischen ein Problem?

Mögliche Lösungsansätze

Grundsätzlich gilt:

  • Bei schlechter Übertragung z.B. in einer Videokonferenz die Datenübertragung bzw. Qualität zu drosseln oder das Video ganz abzuschalten
  • Flexibel zu bleiben und verschiedene Tools und Kommunikationskanäle für die Erfüllung der Arbeit einzusetzen und ggf. zu springen
  • Mithilfe von Kollaborationslösungen wie Microsoft Office 365 oder Google Apps for Business gemeinsam an Dokumenten arbeiten und parallel zu telefonieren
  • Geht das Internet gar nicht, kann man auch einfach nur telefonieren
  • Einen kühlen Kopf bewahren, durchatmen und einen Kaffee oder Tee zu trinken;-)

Die hier genannten Lösungsansätze sind abhängig von der tatsächlichen Problemstellung.

Annahme 1: das Verbindungsproblem liegt im eigenen Heimnetzwerk

Funktioniert das eigene WLAN nicht oder nur bedingt, Dann empfiehlt sich:

  • den verwendeten WLAN-Kanal und die Nutzung im Umfeld der anderen WLAN- Netze der Nachbarn zu prüfen und gegebenenfalls den Kanal zu wechseln (Wenn viele WLAN-Netzwerke im Umfeld dann denselben Kanal verwenden kommt es zu Drosselung);
  • den Internetzugang über die Mobilfunkverbindung des Handys zu nutzen oder einen extra UMTS-Stick zu verwenden;
  • einen WLAN-Repeater einzusetzen, um die Verbindung in Räumen mit schlechter Signalstärke zu verbessern (dies hat sicher einen negativen Einfluss auf die umliegenden Einheiten);
  • klassisch die Nutzung einer LAN-Verbindung bzw. Kabel anstelle von WLAN (hier gibt es clevere Lösungen zum Beispiel von FRITZ! Box, die Internet über die Steckdose liefern).

Annahme 2: das Verbindungsproblem liegt am Firmennetzwerk oder -softwareangebot

Die Problemstellungen im Firmennetzwerk können vielfältig sein:

  • Möglicherweise reichen die vertraglich vereinbarten Eigenschaften der Internetanbindung nicht aus; hier sollte man schnellstmöglich auf den nächst größeren Tarif wechseln
  • Beschränkungen des VPN-Netzwerks oder die Anzahl der gleichzeitigen VPN-Nutzer; Anzahl der VPN-Nutzer erhöhen
  • Einschränkungen in anderen Softwarelösungen können durch Erhöhung von Benutzerlizenzen und Funktionen optimiert werden

Annahme 3: das Verbindungsproblem liegt am SaaS- oder Cloud-Anbieter (z.B. Kommunikations- oder Projektmanagementsoftware)

Kommt es zu Ausfällen wie zuvor erwähnt bei Microsoft Teams, dann bleibt nichts anderes übrig als:

  • abzuwarten, bis der gewünschte Dienst wieder funktioniert,
  • auf einen anderen Dienst, wie z.B. Skype for Business oder Google Meet auszuweichen,
  • lokal weiterzuarbeiten und zu einem späteren Zeitpunkt seinen Stand zu synchronisieren

 

Leider gibt es noch immer zu viele Menschen, die leichtfertig mit der aktuellen Situation umgehen und den Sinn des geforderten „Social Distancing“ hinterfragen. Daher ist auch von Seiten der Regierung mit weiteren Sicherheitsmaßnahmen zu rechnen, sodass nach und nach immer mehr Leute zu Hause verweilen werden. Spannend wird es dann, wenn es wie in Spanien und Italien zu möglichen Ausgangssperren kommt. Deshalb wird der Andrang auf die Kommunikationsnetze voraussichtlich noch weiter steigen und Lösungen, wie wir trotzdem weiterarbeiten und kommunizieren können, werden immer wichtiger. Grundsätzlich empfehlen wir, einen ruhigen Kopf zu behalten und nicht nur an sich, sondern auch an seine Mitmenschen zu denken. Dann werden wir gemeinsam für alles eine Lösung finden.